Hans-Jörg Podworny

by Rolf

THE DUPG GRIEVES THE LOSS OF HANS-JÖRG PODWORNY (11.08.1956 – 25.01.2021)

Hans-Jörg was a giant in, and pivotal to, the German piping community. An accomplished musician, he spent some years teaching in Donegal, Ireland, and then decided to become full-time piper and pipe maker. Together with Andreas Rogge and Tom Kannmacher he co-founded our club, the trio being crucial in the supply of sets, reeds and advice to budding pipers. Unfortunately his career, both as a musician and an instrument builder came to a grinding halt in the mid-‘90s when a bacterial brain infection confined him to a wheelchair. Although he had to relearn to talk and move his body, his brilliant mind remained untouched. It is this mind that many will remember with great affection and gratitude. Despite his cruel fate, he remained a life embracing spirit, always eager to learn more, explore, get to know people and crack a joke. He had – untypical for our surly brew – a phenomenal memory for people and was always encouraging to newbies and youngsters. Unable to play in public anymore, he re-organised his workshop, built reeds, and acquired and worked on vintage instruments. He became an expert on older pipes and a source of knowledge and inspiration to many of us. It is safe to say that the German Irish music scene has lost one of its central characters. He will always be remembered as a friend, and one of the best at that. Farewell Hans-Jörg, “break a reg” as you liked to say, and have fun at the never ending session up there.

DIE DUPG TRAUERT UM HANS-JÖRG PODWORNY (11.08.1956 – 25.01.2021)

Hans-Jörg war ein Gigant und ein ausschlaggebendes Mitglied der Dudelsackgemeinde in Deutschland. Als versierter und konzertierender Musiker verbrachte er einige Jahre als Lehrer in Donegal/Irland, bevor er sich entschloss, das Spielen und das Bauen von Uilleann Pipes zu seinem Hauptberuf zu machen. Gemeinsam mit Andreas Rogge und Tom Kannmacher gründete er unseren Verein und versorgte angehende Piperinnen und Piper mit Instrumenten, Rohrblättern und unendlich vielen Ratschlägen und Hilfestellungen. Tragischerweise kam seine Karriere als Musiker und Instrumentenbauer Mitte der 90er Jahre zum jähen Erliegen, als ihn eine bakterielle Gehirninfektion für immer in den Rollstuhl zwang; glücklicherweise blieb sein Geist und sein Verstand davon völlig unberührt. Und es ist eben dieser Geist, an den sich so viele mit so großer Dankbarkeit und Liebe erinnern werden. Trotz seines Schicksals blieb er ein lebensbejahender Mensch, der immer neugierig blieb, der Freude an Begegnungen mit seinen Mitmenschen hatte und sich in phänomenaler Weise an fast jede einzelne erinnerte, der Neulinge inspirierte und ermutigte – und der mit ganzer Seele ungebrochen dem trockenen und schwarzen Humor frönte und um entsprechende Beiträge nie verlegen war! Er war zwar nicht mehr in der Lage, öffentlich aufzutreten, doch konnte er durch konsequentes krankengymnastisches Training dermaßen viele motorische Fertigkeiten wieder erlangen, dass er seine neu organisierte Werkstatt wieder in Betrieb nahm, Reeds baute und an Vintage-Instrumenten aller Art arbeitete. Er blieb ein Experte, vor allem für ältere Exemplare von Pipes, und war für viele von uns eine Quelle des Wissens und der Inspiration. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die deutsch-irische Musikszene eine ihrer zentralen Figuren verloren hat. Er wird für immer als Freund in unseren Herzen wohnen. Lebwohl, Hans-Jörg, „break a reg“, wie du gerne gesagt hast, und habe Freude bei der unendlichen Session dort oben.


Stimmen aus unseren Reihen
Es muss ca. 1983 gewesen sein, als ich Hans-Jörg auf einem Musikertreffen in Lißberg (bei Kurt Reichmann) kennengelernt habe. Wir haben festgestellt, dass wir beide Matt Kiernan und auch Eugen Lambe kennen und von den beiden gelernt haben. Das war der Beginn einer langen Freundschaft mit viel Austausch in der Musik und im Pipemaking. Wir haben uns gegenseitig besucht und in Sessions zusammen gespielt…
So nach und nach reifte dann die Idee, auch selbst mal Treffen für Piper zu organisieren. Ich denke zurück z.B. an die Weiler Hütte – noch höchst unprofessionell organisiert, aber mit sehr viel Spaß und Hingabe. Hans-Jörg war immer an vorderster Front dabei. Gerne denke ich auch zurück an unsere ersten Reedmaking-Events, damals eher noch gemeinsames Basteln und Austausch von Ideen. Hans-Jörg und ich haben immer von den Ideen des anderen profitiert, wir waren nie in Konkurrenz.

Folgerichtig kam dann natürlich auch die Idee auf, einen Verein für unsere Sache zu gründen. Hans-Jörg war ganz maßgeblich daran beteiligt, das auch umzusetzen und hat sich damit selbst ein Denkmal gesetzt, das in uns allen lebendig ist. Gerne denke ich zurück an die vielen schönen und anregenden Gespräche mit ihm, immer begleitet von Rothändle und Rotwein. Was für eine schöne Zeit…

Seine ca. 1992 beginnende Krankheit hat ihm einiges abgenötigt, er hat es aber mit dem ihm eigenen Humor ertragen und gemeistert.

Ich werde ihn sehr vermissen.
(Andreas Rogge)


Ich habe Hans- Jörg kennengelernt, als er in Osnabrück auf dem Marktplatz im Rahmen einer Veranstaltung über irische Druckkultur aufgetreten ist. Das muss in den späten 80er Jahren gewesen sein. Er kam sofort sympathisch rüber mit seinem Charme und Humor in den Ansagen und seiner unprätentiösen Art, wie wir ihn kennen. Mein Freund Gerome Morris, Musikschullehrer (der mich im Unterrichten von irischer Musik fortgebildet hat), machte mich mit ihm bekannt, und seitdem waren wir freundschaftlich und kollegial verbunden. Bis zum tragischen Ausbruch seiner Krankheit durch einen Zeckenbiss, der ihm das Kleinhirn quasi zerstörte, war er neben Andreas Rogge die weitere angesagte Adresse für Pipes in unserem Land. Er beeindruckte mich immer wieder mit seiner Erfindungsgabe und einem Sinn für praktische Lösungen beim Herstellen der Pipes. Er nahm mir das multidrone – Prinzip vorweg, indem er seinem eigenen Instrument eine zweite Bordungruppe für e / e‘ anbaute. Als er krankheitsbedingt nicht spielen konnte, lieh er mir sein Instrument für ein paar Jahre, in denen ich einen e- Regulator (von Hans Reusch gebaut) daran anbaute und die CD meines Schulwerks darauf einspielte. Er machte wunderbare, leicht justierbare Reeds, zwei von ihnen spielen tadellos seit 30 Jahren in meinen Chantern.
Hans – Jörg tat alles, um die irische Szene in Deutschland zu fördern und interessante Ansätze zu unterstützen. Er sammelte großartige historische sets Pipes, die er an Freunde und Kollegen verlieh, damit sie gespielt werden konnten. Als klar war, dass ein wirtschaftliches Herstellen von Pipes in seiner Situation nicht mehr möglich war, gab er mir anlässlich eines Besuchs in seinem Häuschen in Peine beim Abschied die unfertigen, angefangenen Teile mit und wünschte, dass ich sie an Leute verschenke, die sie fertig spielbar weiterbauen konnten. Ich habe ihm diesen Wunsch nach bestem Wissen erfüllt: Sie gingen an Hans Reusch, Charley Herbst (meinem Freund, der in den Mittsiebzigern das erste Set des Revivals in Deutschland baute, mittlerweile selbst mit MS geschlagen) und einige andere, baufähige Kollegen. Ich erlaubte mir, mich zu den Adressaten zu rechnen und baute mit Reuschs Hilfe ein full set fertig – das einzige von ihm außer seinem eigenen in Deutschland ? Es spielt mit Engelszungen und macht ihn mir so unvergesslich. Ich nehme es zu Kursen mit, damit Teilnehmer ein full set ausprobieren können.
Ich habe ihn oft in Elmstein wiedergesehen, wo er, leider oft ein wenig einsam im Rollstuhl im Getriebe sitzend, die Klänge um sich herum genoss. Man musste nun einmal Geduld haben, mit ihm ein Gespräch zu führen, gleich, wie blitzgescheit er nach wie vor am Leben teilnahm. Ich habe ihm immer mal ein kleines Konzert gespielt, um mich zu bedanken und zu zeigen, wie schön seine Mühen weiter Früchte tragen. Nun muss man dafür keine Reisen mehr unternehmen. Er wird immer unter uns sein.

(Tom Kannmacher)


Es ist nicht leicht in Worte zu fassen, was wir empfinden, so vieles spielt mit hinein. Hans-Jörg war eine treibende Kraft in den Gründungsjahren der DUPG. Ohne seinen Einsatz gemeinsam mit Andreas Rogge und Tom Kannmacher gäbe es uns so nicht. Er war ein hochgeschätzter Piper und ein aufstrebender Pipemaker, als ihn im Jahr 1992 eine heimtückische Krankheit motorisch schwerbehindert zurückließ. Hans-Jörg ist damals vermutlich durch die Hölle gegangen. Er hat sich lange Jahre komplett zurückgezogen. Umso stärker ist er in unsere Gemeinschaft zurückgekommen, auch wenn es ihm klar war, dass er nie wieder würde pipen, nie wieder ein Instrument bauen können. Es hat uns schwer beeindruckt, wie stark er mit dieser Situation umgegangen ist und wie er – mehr noch – von Jahr zu Jahr in ganz kleinen Schritten und mit ganz hartem Training einige Fertigkeiten wieder erworben hat. So hat er durchaus weiter an Pipes gearbeitet, in seiner kleinen Werkstatt in seinem kleinen Haus in Peine. Dadurch konnte er nicht nur viele wertvolle Ratschläge zum Pipen geben, sondern oft auch ganz praktische Hilfestellung. So hat er den einen oder die andere mit Practice Sets oder Chantern versorgt, die er teilweise aus Resten und Fundstücken mit großer Hingabe wiederbelebt hat.

Aber nicht nur sein Pipes-Wissen und -Können haben uns beeindruckt, es waren auch seine menschlichen Qualitäten. Er war einer dieser besonderen Menschen, die sich direkt einen Weg ins Herz ihres Gegenübers bahnen. Gespräche mit ihm haben einen oft mit einem guten Gefühl hinterlassen. Dazu den Schalk im Nacken, oft auch rabenschwarzer Humor, die ihn einzigartig gemacht haben. Er wird uns so sehr fehlen.

Einige von uns wussten von seiner Krebserkrankung, die im Herbst vergangenen Jahres diagnostiziert wurde. Und obwohl er in seinen letzten Wochen nicht mehr die Kraft für Kontakte hatte, konnte ihm noch übermittelt werden, dass wir in Gedanken bei ihm sind. Wir hoffen, dass er trotz des gerade für ihn sehr schweren, einsamen letzten Jahres diese Welt in innerem Frieden verlassen konnte.
(Barbara Coerdt)

2 Kommentare

jkommnick 9. Februar 2021 - 07:47

Ich werde Hans-Jörg für immer dankbar sein für alles, was er für mich und uns alle getan hat. Ich kannte ihn schon 35 Jahre; er war der erste Uilleann Piper, mit dem ich auf einer Session – ich war damals noch sehr unerfahren und unsicher – zusammen musizierte. Wie feinfühlig zeigte er sich, machte mir Mut, spielte als erster die wenigen Tunes mit, die ich kannte. Ein paar Jahre später ließ er mich eins seiner Practice Sets ausprobieren und gab mir hilfreiche Spieltipps, die mir heute noch helfen; wenig später baute er mir mein erstes eigenes Set und öffnete mir damit das Tor in die Piping-Welt. Ohne ihn hätte ich all das, was für mich so prägend war, in der Art nicht erlebt. Nach seiner Krankheit war er so großherzig und überließ mir eine wunderbare, mittlerweile über 100 Jahre alte Gibson-Mandoline als Dauerleihgabe, die ich wie einen Schatz hüte und in Ehren halte; jedes Mal, wenn ich sie für eine Aufnahme einsetzte, schickte ich ihm den jeweiligen Tonträger zu, und wie sehr und liebenswert konnte er sich mit mir darüber freuen.

Ich bin dankbar, dass dieser so besondere Mensch mein Freund war. Ich werde seine Offenheit, seine Zugewandtheit, seine Klugheit, seinen Humor, seine lebensbejahende Ausstrahlung, seine Bescheidenheit, seine Hilfsbereitschaft und seine Musikalität nie vergessen, weswegen er in meinem Herzen für immer am Leben bleibt.

Antworten
Ulrich Plasberg 10. Mai 2021 - 19:02

Obwohl ich Hans-Jörg relativ spät kennen lernte und selten, zu selten wie ich heute weiß, getroffen habe, verband mich mit ihm doch eine Freundschaft, die ihren Anfang nahm bei einem persönlichen Besuch in Peine und einem Wochenende in seinem Elternhaus. Neben unserer gemeinsamen Leidenschaft für die Uilleann Pipes gab es auch dort viel zu fachsimpeln über meine alte Harley-Davidson, mit der ich damals unterwegs war, und das Motto “Loud pipes save lives” begleitete uns an jenem Wochenende. Später war mein Wunsch und Hoffen jedes Jahr vor Proitze:”Hoffentlich kommt Hans-Jörg”, und ich hab mich immer wie Bolle gefreut, wenn er da war und ich ihn bedienen konnte; manchmal haben wir “Dinner for one” gespielt: er war Miss Sophie, ich seinihr Butler. Die Nächte am Lagerfeuer in Proitze und die vielen Gespräche und der Spaß mit ihm werde ich nie vergessen.
Er fehlt mir jetzt schon.
Uli Plasberg

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.